Lebendige Geschichte in Berlin

von Michael Jaesrich

Lebendige Geschichte in Berlin

Michael Jaesrich

 

Nach ungefähr sechseinhalb Stunden Zugfahrt erreichte unsere kleine Historikergruppe am Donnerstagabend Berlin. Untergebracht waren wir im Norden des Bezirks Schöneberg, von wo man in wenigen Minuten alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in Berlins neuer Mitte erreichen kann. Das eigentliche Programm begann dann am Freitagmorgen mit einem Besuch des Reichstagsgebäudes. Auch wenn der Abgeordnete des Uracher Wahlkreises Michael Donth leider keine Zeit für ein Treffen gefunden hatte, war der Rundgang durch das geschichtsträchtige Gebäude hochinteressant. Die Führung beinhaltete nicht nur den Besuch der bekannten Attraktionen des Gebäudes (Kuppel, Plenarsaal), unsere Gruppe durfte auch hinter die Kulissen der Fraktionsräume spähen, den parlamentseigenen Andachtsraum, und diverse andere Aufenthaltsräume der Abgeordneten besichtigen. Am Nachmittag widmete sich die Gruppe dem Thema „Nationalsozialismus in Deutschland“. Im Zuge der Führung durch das beeindruckende Jüdische Museum Berlins wurden die Auswirkungen von Diskriminierung und Ausgrenzung erfahrbar. Die besondere Architektur des Museumsgebäudes unterstrich die Aussagen der eigentlichen Ausstellung auf einer emotionalen Ebene. Am Samstag fuhren wir weit in den ehemaligen Ostteil der Stadt und erkundeten die Gedenkstätte „Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen“. Eine hochinteressante Führung durch die ehemalige Gefängnisanlage ermöglichte es, die Schrecken stalinistischer Terrorherrschaft eindrücklich nachzuvollziehen. Zügig ging es zurück in „unseren“ Kiez nach Schöneberg. Am Nollendorfplatz erwartete der Zeitzeuge Antonius Poppe die Gruppe. Er ließ in einem anderthalbstündigen Bericht die Jahre zwischen 1945 und 1968 lebendig werden. Wie lebte man als geflüchteter Jugendlicher in einer besetzten Stadt, wie „organisierte“ man sich Nahrung und Kleidung und wie erlebte man den Umgang mit Besatzern und schweigenden Eltern? Die Parallelen zu heute waren teilweise erschreckend.

Natürlich gab es abseits des offiziellen Programms genug Zeit nach eigenem Interesse weiterzuforschen. Das Holocaustmahmal, der Deutsche Dom, Checkpoint Charly, die Westside Gallerie…das waren nur einige Ziele, die einzelne Schülergruppen individuell erkundeten. Als die Geschichtskursler am Sonntagmorgen den Zug Richtung Ländle bestiegen, waren zwar alle erschöpft aber ohne Zeifel reicher an Eindrücken und Erfahrungen.

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