1920 - 2020: Eine goldene Matinée

von Michael Jaesrich

1920 - 2020: Eine goldene Matinée

Schon gegen halb zehn hatte sich die Mensa des GEG gut gefüllt und die liebevoll dekorierten Tische waren mit erwartungsfrohen Gästen besetzt. Das Programm der diesjährigen Matinée des Fördervereins traf offensichtlich den Nerv der Zeit, denn bereits früh war die Veranstaltung restlos ausverkauft.

Doch vor den kulturellen Genüssen konnten sich die Gäste erst einmal den kulinarischen widmen. Die Mitglieder des Fördervereins hatten ein prachtvolles Frühstücksbuffet gestaltet, das keine Wünsche unerfüllt ließ.

Nachdem der Körper gestärkt war, wurde dann aber auch dem Geist entsprechende Nahrung geboten. Angekündigt vom Vorsitzenden des Fördervereins Rainer Bürck betraten Paula Stark, herrlich gewandet in ein paillettenbesetztes Charlestonkleid, und Barbara Putzhammer die Bühne. Die beiden Künstlerinnen, einst selber Schülerinnen des GEG, haben Jazz- und Popularmusik bzw. Theaterwissenschaften und Kulturmanagement studiert und treten bereits seit vielen Jahren gemeinsam auf. Für die Matinée hatten sie ein vielseitiges musikalisch-poetisches Programm aus Chansons und kurzen Texten zusammengestellt, das sich im weitesten Sinne den facettenreichen Beziehungsformen zwischen Mann und Frau widmete.

Eingeleitet wurde der Auftritt mit einem Block bekannter „Gassenhauer“ aus den 30er und 40er Jahren, wie beispielsweise dem Stück „Die Männer sind schon die Liebe wert“ oder dem großen Klassiker  „Kann denn Liebe Sünde sein?“. Paula Stark, die den Großteil des Programmes als Sängerin bestritt, ließ mit ihrer großartigen und frechen Darbietung keinerlei Sehnsucht nach der Stimme Zarah Leanders aufkommen und fesselte das Publikum im Nu. Im weiteren Verlauf lag der Schwerpunkt auf Chansons aus den 20er Jahren. Die häufig humorvollen, teilweise aber auch bissig-maliziösen Texte von bekannten Autoren wie Friedrich Hollaender, Mischa Spolansky oder Bruno Balz griffen die erwachende Emanzipation der Frauen auf und zeigten zugleich, wie weit der Weg zu selbstbestimmten Leben…und Lieben noch sein würde. Neben der grandiosen gesanglichen Darbietung Paula Starks, die für einige Stücke auch zur Violine griff, untermalte Barbara Putzhammer die Texte kongenial am Piano bzw. beim Stück „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ auch mit dem Akkordeon. Eingerahmt wurden die einzelnen Musikblöcke durch kurze Texte von Kurt Tucholsky, Erich Kästners und Rudolf Alexander Schröder.

Im letzten Abschnitt der Darbietung wurde klar, wie lange die musikalische Tradition der 20er Jahre noch fortwirkte. Heiter-frivole Stücke des Österreichers Georg Kreisler, der mit Philine, der Tochter Friedrich Hollaenders verheiratet war, rundeten das Programm ab. Der stürmische Applaus zeigte deutlich, dass es dem Förderverein ein weiteres Mal gelungen war, eine herrliche Matinee auf höchstem künstlerischen Niveau zu organisieren und werden viele begeisterte Besucher schon jetzt voller Erwartung auf das Programm des nächsten Jahres warten: Nach der Matinée ist vor der Matinée

 

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