Immer"wehrendes" Gedenken

von Michael Jaesrich

Immer

Michael Jaesrich

Wer am Freitagmorgen das GEG betrat wurde unweigerlich auf unterschiedliche Plakate aufmerksam, die an allen Eingängen der Schule aufgehängt worden waren: „Heute vor 80 Jahren brannten in Deutschland 1400 Gotteshäuser – Die Feuerwehr löschte aber nicht. Warum?“ oder auch „30 000 Deutsche wurden an diesem Tag verhaftet – Waren es die Brandstifter?“. Diese und andere Aussagen sollten die Schülerinnen und Schüler in eine fragende Grundstimmung versetzen. Einige konnten natürlich schon Bezüge herstellen, andere, insbesondere die jüngeren Schüler, blieben erst einmal rätselnd zurück. Das jeweils letzte der angebrachten Plakate verwies dann schließlich auf den Lichthof. Dort war eine Informationswand aufgebaut worden, auf der die grundlegenden Fakten zur Reichspogromnacht, Berichte und Bilder über diverse Attacken auf Synagogen der Region und die berühmte Rede Richard von Weizäckers zum Kriegsende präsentiert wurden. Umrahmt war dieser Ort der Information mit einem weiß gedeckten Tisch, auf dem lediglich ein Strauß wilder Rosen und eine brennende Kerze standen. Diesen Teil des Gedenktages hatten Wolfgang Scherer und Michael Jaesrich zusammen mit Neuntklässlern entworfen und den ganzen Tag über konnte man beobachten wie gut diese Form des Erinnerns angenommen wurde. Immer wieder sammelten sich kleine Gruppen von Schüler oder Lehrern vor dem Tisch, innehaltend vor den verstörenden Bildern oder vertieft in die Lektüre der  dargebotenen Texte.

Über diese Aktion hinaus hatten sich die Deutschlehrer Dirk Albrecht, Barbara und Konrad Fischer mit ihren vierstündigen Deutschkursen vorbereitet, um alle Schülerinnen und Schüler des GEG im Laufe der dritten und vierten Stunde auch direkt im Unterricht anzusprechen. Die Gruppe hatte sich im Vorfeld des Gedenktages mit der Reichspogromnacht auseinandergesetzt und beschlossen, die Mitschüler auf eine sehr eindrückliche Weise über die konkreten Gefahren und die persönlichen Auswirkungen der Nazidiktatur zu informieren, deren Ausgangspunkt die Ereignisse der Reichspogromnacht bildeten.

Die Gruppe hatte eine Reihe von Texten zusammengestellt und aufbereitet, an Hand derer man nachvollziehen kann, was es heißt Ausgrenzung, Diskriminierung, Rassismus und Verfolgung am eigenen Leib zu erleben. Am Freitag zogen nun die Schüler in Zweier- und Dreiergruppen von Klasse zu Klasse. Nach einer kurzen Informationsphase lasen die Schüler Ausschnitte aus Werken wie beispielsweise „Hitlerjunge Salomon“, „Anne Frank – Tagebuch“, „Die Lebensgeschichte der Sophie Scholl“ vor. Es war sehr beeindruckend, wie still es in den verschiedenen Klassenzimmern wurde, als die bewegenden Schicksale unterschiedlichster Opfer des Nazi-Terrors durch die Lesungen der Oberstufenschüler  geradezu greif- und erlebbar wurden. Das Grauen der NS-Diktatur kann nur fassbar werden, wenn man die Auswirkungen der Diktatur an Hand persönlicher, individueller Schicksale aufzeigt. Dies ist am Freitag offensichtlich gelungen.

 

Als Schulgemeinschaft sind wir am GEG stolz, dass sich Schülerinnen und  Schüler, Lehrerinnen und Lehrer 80 Jahre nach der Reichspogromnacht in der beschriebenen Weise zusammengetan und dem GEG einen Gedenktag bereitet haben, der die schrecklichen Ereignisse und auch die Folgen dieser dunklen Nacht der deutschen Geschichte auf ganz verschiedenen Ebenen nachvollziehbar gemacht hat. An dieser Stelle sei also auch den beteiligten Schülerinnen und Schülern der J1-Oberstufenkurse, den Lehrern Barbara Fischer, Konrad Fischer, Dirk Albrecht und Wolfgang Scherer für ihr Engagement und ihre Ideen gedankt.

 

Wehret den Anfängen….denn…“Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch."

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