Made in Taiwan

von Michael Jaesrich

Made in Taiwan

Michael Jaesrich

Insgesamt zwei Wochen war die schwäbische Reisegruppe in Taiwan und tauchte bei unseren beiden Austauschschulen tief ein,  in den quirligen Alltag Fernosts. Die erste Woche wurde organisiert von der Jianguo High School für Jungen, deren Schulleiter die Uracher mit einer feierlichen Willkommenszeremonie empfing. Entsprechend der Brezelschlingkurse im Schwabenland wurden auch unsere GEGler gleich zu Beginn der Woche in die Untiefen des Backhandwerks geworfen. Köstlich-saftige Ananaskuchen entstanden unter den erfahrenen Augen taiwanesischer Betreuer und wurden im Anschluss, umrahmt von einer traditionellen chinesischen Teezeremonie, gemeinsam genossen. Die zeitgenössische Kultur Taiwans erlebte die Gruppe beim Besuch des Cloud Gate Dance Theaters. Diese Institution ist das Zuhause der weltweit bekannten Modern Dance Gruppe „Cloud Gate“, deren Kunstfertigkeit die GEGler hautnah im Zuge eines Tanzworkshops nachvollziehen konnte. In Xing Pi erkundeten die Fernreisenden aus Baden-Württemberg einen thailändischen Tempel und den nahegelegenen Wasserfall, der bei dem ein oder anderen Teilnehmer erste Erinnerungen an die  Uracher Heimat auslöste. Am Abend ließ die Gruppe traditionell-taiwanesische Laternen in den Himmel steigen – prall gefüllt mit guten Wünschen.

Nachdem man der Wachablösung an der Memorial Hall Chiang Kai-sheks beigewohnt hatte, wollte die Gruppe natürlich auch das Bildungssystem Taiwans erkunden. Unsere Schülerinnen und Schüler besuchten daher sowohl den Deutsch-Unterricht einer zehnten Klasse, als auch das Department of Mechanical Engineering an der NTU (National Tawain University). Dort ließen die Wissenschaftler unter anderem Roboter Treppen steigen und stellten neue Errungenschaften der  minimalinvasiven Medizintechnik vor.

Auch die zweite Woche, die nun von der Mädchenschule Taipei First Girls High School organisiert wurde, bot ein reiches und buntes Programm. Gemeinsam mit unseren Gastgebern stattete man dem größten Tempel Taiwans, dem Longsan-Tempel, in Taipeh einen Besuch ab. Dort erfuhren die jungen Europäer viel über die unterschiedlichen Religionen und religiösen Zeremonien in Taiwan. Auch ein Kalligraphie-Workshop war Teil des Wochenprogrammes. Mit Pinsel und Tusche wagten sich die Uracher an die geheimnisvolle Kunst der chinesischen Schriftzeichen. Ein Schwerpunkt der zweiten Woche bildete die Erkundung der unterschiedlichen Naturräume der asiatischen Insel. Der Besuch der Teeplantagen bei Ping Lin und des Yangminshan National Parks begeisterte die Uracher Delegation. Beim Wandern durch die mit Silbergras und Bambus bewachsenen Hügel ehemals aktiver Vulkane waren neben der Tierwelt die rauchenden Schlote und leuchtend gelbe Schwefelablagerungen besondere Attraktionen. Wer sich auf frische Luft gefreut hatet, wurde eines Besseren belehrt: wegen der Schwelfelgase dominierte doch der Geruch fauler Eier. Der "atemberaubenden" Panoramablick über die taiwnesische  Landschaft entschädigte jedoch alles!  

Zurück in Taipeh scheuten sich unsere Gastgeber auch nicht kontroverse Themen taiwanesischer Geschichte anzusprechen. Ein Besuch der CKS Memorial Hall, die nach einer unrühmlichen Nutzung als Militärgefängnis, heute als Museum der taiwanesischen Demokratie fungiert, vermittelte einen intensiven Einblick in die wechselvolle Geschichte des jungen Staates.

Noch wichtiger als die Besichtigung außergewöhnlicher Orte war aber sicher der persönliche Austausch. Die besonders gute Atmosphäre zwischen europäischen Gästen und asiatischen Gastgebern wurde von allen Beteiligten immer wieder betont. Unsere Schüler (und natürlich auch die beiden Lehrerinnen Gerdi Redinger und Ilse Beck) hatten vielfältige Gelegenheit zu intensiven Gesprächen mit den taiwanesischen Freunden, über deren Traditionen zu staunen oder auch Anregungen mit nach Hause zu nehmen. Nicht ganz untypisch für Besucher des asiatischen Kontinents, berichteten viele der Uracher nach der Heimkehr, dass gerade die kulinarischen Erfahrungen der Woche (auf den nachtmärkten) großen Eindruck gemacht hatten.

Alles in allem ein weiterer sehr gelungener Baustein in unserer gewachsenen Austausch- Partnerschaft mit Taiwan. Und so freuen wir uns schon auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr.

 

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