Vom GEG ins Berufsleben

von Michael Jaesrich

Vom GEG ins Berufsleben

Michael Jaesrich

Vertreter von zwölf  Unternehmen aus der Region waren der Einladung der BoriS-Gruppe (Berufsorientierung an Schulen Baden-Württemberg) am GEG gefolgt und am Mittwochnachmittag zum Runden Tisch am Uracher Gymnasium erschienen. Es wurde Rückschau gehalten auf die Projekte des vergangenen Schuljahres und die Beteiligung der Unternehmen an den kommenden Veranstaltungen geplant. Zudem bestand Gelegenheit zum freien Austausch über verschiedene Aspekte dieser traditionsreichen Partnerschaft zwischen Schule und Wirtschaft.

Schulleiter Friedemann Schlumberger begrüßte die Gäste und verwies gleich zu Beginn mit einem konkreten Beispiel auf die großen Erfolge, die die langjährige Zusammenarbeit am Runden Tisch gezeitigt hat. So habe vor einigen Tagen ein Abiturient des letztjährigen Jahrganges seine alte Schule besucht und mehr als eine Stunde von seinen Eindrücken im gerade aufgenommenen Dualen Studium berichtet. Zu seinem Erstaunen habe der Schüler feststellen können, dass er bereits in dritter „Generation“ von Mitarbeitern betreut werde, die alle das berufsvorbereitende Programm des GEG durchlaufen haben und so in ihrer Berufswahl bestärkt wurden.

Danach wurden die verschiedenen Projekte des letzten Jahres evaluiert: Und da gab es einiges zu besprechen. Die berufsbegleitenden Module beginnen am Uracher Gymnasium schon in Klasse sieben, wo interessierte Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben am „create-Projekt“ teilzunehmen. In Zusammenarbeit mit vier Unternehmen werden den  Schülern erste Grundkenntnisse des CAD-Programmierens nahe gebracht, die sie dann in eigene Produktideen umsetzen können. Den Höhepunkt dieses Programmes stellt die konkrete Umsetzung der Ideen mit Hilfe eines 3D-Druckers dar.

Das „create-Projekt“ ist aber nur ein erster Schritt auf dem in langen Jahren gemeinsamer Zusammenarbeit ausgetüfteltem Weg zur Berufsorientierung am GEG. Jährlich finden beispielsweise die Veranstaltungen „Schule trifft Wirtschaft“ und die „Berufsakademie“ statt. Im Zuge der erstgenannten Einrichtung besuchen alle Schülerinnen und Schüler der Klasse elf eines der kooperierenden Unternehmen und sammeln einen Tag lang  Eindrücke und Erfahrungen in den Betrieben. Ist die Teilnahme an diesem Modul für alle Pflicht, so bietet die zweitgenannte „Schülerakademie“ interessierten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, freiwillig bis zu drei weitere Unternehmen zu erkunden. Für die „Akademie“ müssen sich die Schüler allerdings aktiv bewerben, wodurch eine genaue Vorbereitung und grundlegende Motivation garantiert werden.

Die beteiligten Unternehmen bieten aber nicht nur Einblicke in das eigene Betriebsgeschehen. „Es geht schließlich nicht um Werbung für einzelne Unternehmen. Man wolle den Schülern eine möglichst breite Entscheidungsgrundlage bieten“, betont Wolfgang Scherer, Mitglied der BoriSgruppe am GEG. In den letzten Jahren wurden speziell Formate entwickelt, die den jungen Menschen ganz allgemein auf den Start in das Leben nach der Schule vorbereiten. So findet jährlich das so genannte Bewerbertraining statt, in dessen Verlauf Schüler der Jahrgangsstufe 1 durch Vertreter unterschiedlicher Personalabteilungen ganz praktisch für die anstehenden Bewerbungsgespräche geschult werden: „Wie gestalte ich eine Bewerbung, wie trete ich in einem persönlichen Bewerbungsgespräch auf, was ziehe ich an?“ Das sind Fragen, die im Rahmen des Trainings angesprochen und möglichst direkt im aktiven Rollenspiel beantwortet werden.

Im Zuge des „Finanzforums“ werden die Schüler der Jahrgangsstufe 2 darüber hinaus mit allen wichtigen Themen rund ums Geld vertraut gemacht. Referenten der Volksbank Ermstal-Alb und der Kreissparkasse Reutlingen geben wichtige Informationen zu den Bereichen Finanzielle Absicherung und Versicherungen und stellen sich den Fragen der Abiturienten.

Relativ neu ist der Baustein „Wege zum Traumjob“. BoriSgruppenmitglied Gabi Börner berichtet, „dass man bis vor einigen Jahren am GEG noch eine Berufsinfomesse angeboten habe. Auf Grund der Rückmeldungen durch die Unternehmen am Runden Tisch habe man sich aber von diesem Format verabschiedet. Viele Schüler seien schlichtweg überfordert gewesen von der Masse an Angeboten  und auch von Seiten Unternehmen wurde beklagt, dass die Schüler eher pflichtbewusst die Messestände abgegrast hätten und Gespräche mit wirklich Interessierten oft zu kurz gekommen seien.“ Das neue Angebot „Wege zum Traumjob“ ist nun bereits zwei Mal durchgeführt worden und wird von auf allen Seiten sehr positiv bewertet. Alle zwei Jahre bietet das GEG für Schüler und Eltern nun einen Informationsabend am Gymnasium an. Hier präsentieren sich Menschen mit unterschiedlichsten Berufs- und Studienwegen im Zuge kurzer Workshops. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden sich für bis zu drei Themenbereiche, etwa Medizin, Maschinenbau oder Journalismus, und können dann in drei Schienen die Vorträge besuchen. Viele der Referenten kommen natürlich aus den Kooperationsunternehmen, wobei für diesem Abend klar verabredet wurde, dass die einzelnen Studienbereiche und nicht die Unternehmen selbst im Fokus stehen sollen.

Dennoch stellt sich natürlich die Frage, welches Interesse die Unternehmen an der durchaus zeit- und ressourcenintensiven Zusammenarbeit mit dem Graf-Eberhard-Gymnasium haben. Die anwesenden Vertreter der Unternehmen können  klar benennen, welche Rolle die enge Zusammenarbeit mit dem GEG für sie hat. Für Vildan Diler und Denise Schmid von der BruderhausDiakonie liegt der Wert sich als Soziale Einrichtung am Runden Tisch zu beteiligen auf der Hand. „ Wir sind ein breit aufgestelltes Unternehmen, aber viele junge Menschen wissen gar nicht, welche Möglichkeiten im Sozialen Bereich stecken. Da gibt es viele Klischees und durch die Kooperation können wir diesen ganz persönlich entgegentreten.“ Auch die veränderten Bedingungen des Arbeitsmarktes wirken sich aus: „Bei sinkenden Schülerzahlen und steigender Nachfrage nach Auszubildenden müssen wir aktiv auf die jungen Menschen zugehen. Die vielen Bausteine, die hier erarbeitet werden, bieten uns die Möglichkeit unser Unternehmen vorzustellen und interessierte Kandidatinnen kennenzulernen.“ sagt beispielsweise Ingrid Habermeier von der Magura GmbH & Co KG. Einen ganz anderen Punkt spricht Perta Grauer Ausbilderin an der Volksbank Ermstal-Alb  an: „Immer mehr Abiturienten streben direkt nach der Schule ein Universitätsstudium an. Die Zusammenarbeit mit dem GEG ermöglicht es uns, auch die betriebliche Ausbildung oder das Duale Studium in unserem Unternehmen vorzustellen und zu zeigen, dass in diesem Bereich große Möglichkeiten liegen.“

Welche Rolle spielt nun aber der ganz konkret der Runde Tisch angesichts des bereits umfassend ausgebauten Berufsvorbereitungsprogramms am GEG? „Die berufliche Welt unterliegt einem stetigen und zunehmend schnellen Wandel.“ Führt an dieser Stelle Lehrerin Susanne Müller aus, die schon seit vielen Jahren als Teil der BoriSgruppe am Runden Tisch teilnimmt. „Dies erfordert natürlich eine stetige Überprüfung unseres Angebots. Zudem wollen wir als Schule gerne Anregungen aus der Praxis aufgreifen und umsetzen, sofern diese mit unserem Bildungsauftrag als allgemeinbildendes Gymnasium übereinstimmen.“ Auch Ida Wilumeit-Reichenecker von der IHK Reutlingen betont den Wert des Runden Tisches: „Wir machen die Erfahrung, dass von der Kooperation beide Seiten stark profitieren. Der Runde Tisch ist ein sehr aktiver Kreis, wo man das Ohr nahe am anderen hat. Deshalb wollen wir als IHK auch weiterhin mithelfen, die direkten und persönlichen Kontakte zwischen den Schulen und unseren Mitgliedern zu pflegen.“

Der Austausch am Runden Tisch bringt auch immer wieder neue und erstaunliche Erkenntnisse zu Tage. So zeigte sich Schulleiter Friedemann Schlumberger ehrlich überrascht, als das Thema Digitalisierung angesprochen wurde. „Wir an der Schule sprechen derzeit über Tablets oder erste Einführungen in das Programmieren und die Unternehmen meldeten uns nun zurück, dass es viel wichtiger sei, den Schülern vermehrt Grundfähigkeiten im Umgang mit dem PC zu vermitteln. Die Bedienung einer Tastatur oder grundlegende Kenntnisse der Office-Programme seien dringend einzuüben und bei Angehörigen der Generation Smartphone kaum noch vorhanden.“ Nach über zwei Stunden Gespräch verabschiedeten sich die Teilnehmer, bereichert mit vielfältigen Eindrücken und Erkenntnissen, die nun in die Gestaltung der kooperativen Projekte zur Berufsvorbereitung fließen werden.

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