Wer ist Susanne Müller?

von Michael Jaesrich

Wer ist Susanne Müller?

Jakob Herter, Celine Nogueira Ribeiro, Michael Jaesrich

  • Können Sie kurz und knapp Ihren Lebensweg vor dem Schuldienst beschreiben?

Ursprünglich komme ich aus dem Schwarzwald, aber mein Abitur habe ich in Nürtingen gemacht, am Hölderlin-Gymnasium. Da ich die Älteste von vier Geschwistern war, stellte sich die Frage, ob wir uns ein Studium überhaupt leisten können. So begann ich eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei IBM und verdiente dort auch das erste Geld. IBM war damals noch der weltgrößte Computerkonzern und hatte Niederlassungen in ganz Deutschland. Insgesamt habe ich sieben Jahre bei IBM gearbeitet und bin auf diesem Weg viel im Nordwesten Deutschlands herumgekommen (Bielefeld, Düsseldorf, Hannover, Dortmund). Ich war dort im Controlling eingesetzt. Das heißt, ich musste für meine Chefs alle wichtigen Zahlen zusammensuchen: Wie viele Leute haben, welche Kosten haben wir, wieviel Umsatz machen wir etc.  Dabei hatte ich letztendlich die Verantwortung für fast 500 Millionen Euro. Aber irgendwann war mir das zu viel Papier und zu wenig Mensch. Da habe ich beschlossen, dass ich das nicht mehr machen will und bin auf eine Weltreise gegangen, habe mir den Kopf frei gemacht und überlegt, was ich wirklich machen will. Da war dann schnell klar, ich werde Lehrerin.

 

 

  • Könnten Sie knapp Ihren Weg zur Lehrerin beschreiben und erklären, was Sie an diesem Beruf gereizt hat? Ist es der schönste Beruf den es gibt?

Ja, ich habe dann mein Studium in Tübingen aufgenommen und Englisch, Geschichte und Germanistik studiert. In Germanistik habe ich dann kein Examen mehr gemacht, weil ich einfach ins Referendariat wollte. Diese schulische Ausbildung habe ich dann in Nürtingen und Neckartenzlingen absolviert und kam dann 2002 ans GEG nach Bad Urach. Ob Lehrer der schönste Beruf der Welt ist, kann man so einfach wohl nicht beurteilen. Aber Lehrer ist der schönste Beruf für mich. Ich habe diese Entscheidung keine Minute in meinem Leben bereut. Mit unterschiedlichsten Menschen zusammenzuarbeiten, und immer hat man das Gefühl, es geht um etwas Wichtiges; nicht um Noten, sondern darum, junge Menschen bei ihrer Entwicklung zu begleiten. Außerdem lernt man als Lehrer auch jeden Tag neue Dinge hinzu. Das finde ich ganz toll.

 

  • Können Sie sich noch an die ersten Eindrücke am GEG erinnern?

Ja, am Anfang wusste ich noch nicht einmal, wo Bad Urach genau liegt. Das habe ich mir dann auf einer Karte angeschaut. Die Landschaft hat mich gleich angesprochen, als ich in das Uracher Tal hineinfuhr, das Äußere der Schule war dann eher…na ja..nix Besonderes (lacht). Aber innen hatte man dann gleich das Gefühl, dass man sich hier wohlfühlen könnte. Als ich dann noch Herrn Schlumberger kennenlernte, war mir klar: Hier bleib ich.

 

  • Nun sind Sie ja Schulleiterin geworden. Wo sehen Sie die besonderen Herausforderungen/Chancen, die mit dieser Aufgabe verbunden sind?

Die Antwort muss ich trennen. Zum einen geht es um die Herausforderungen für mich persönlich. Der Herr Schlumberger war ein super Schulleiter und auch ein super Typ. Da muss man sich erst einmal im Klaren sein, dass man so jemanden nicht einfach kopieren kann. Man kann nicht genau dasselbe tun wie ein anderer, sondern muss seinen eigenen Weg finden. Trotzdem orientiere ich mich aber an ihm, weil ich seinen Stil gut finde.

Der andere Punkt sind die Herausforderungen für die Schule. Da geht es beispielsweise um das Schulgebäude, das dringend renoviert gehört, wir haben jeden Tag Probleme mit der Infrastruktur und müssen dafür sorgen, dass hier endlich Abhilfe geschaffen wird, damit wir vernünftig unterrichten können. Zudem bringen die Schülerinnen und Schüler ganz viele tolle Anlagen mit, aber eben auch Probleme, die sie mit sich herumtragen: Persönliche Probleme, Lernprobleme, jeder einfach sein Päckchen. Und sich da ausreichend und angemessen um jeden Einzelnen zu kümmern, das ist schon eine ordentliche Herausforderung. Das ist meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sich jeder hier wohlfühlen und arbeiten kann, Schüler und Lehrer.

 

  • Was ist für Sie das Besondere am GEG?

Genau dieser Punkt, dass wir uns hier so intensiv mit dem einzelnen Schüler auseinandersetzen. Das sagen auch immer wieder viele Leute, die von außen zu uns kommen, dass wir eine Schule mit Herz sind. Das stimmt vielleicht nicht jeden Tag in jedem Moment. Einen schlechten Tag kann jeder einmal haben. Aber ich glaube, ihr erlebt das hier schon so, dass sich die Lehrer intensiv um euch kümmern und dass wir ein Klima schaffen, in dem man sich wohlfühlt. Wir arbeiten selten mit Verboten. Es geht nicht  immer darum, was man nicht darf, sondern man bestärkt die Schüler darin etwas auszuprobieren. Das ist etwas Besonderes bei uns und da bin ich auch stolz auf meine Kollegen, dass die das so durchziehen und sehr viel ihrer Zeit investieren.

 

  • Haben Sie ein Herzensprojekt für die Schule?

Ja, die Schüler (lacht). Ich kann jetzt nicht sagen, dass es nur ein, ganz besonderes Herzensprojekt existiert. Besonders wichtig ist mir natürlich schon, dass Schüler das Gefühl haben, ihre Stimme wird gehört. Das darf keine Willkür sein, nicht jeder kann hier machen, was er will, aber jeder muss das Gefühl haben, dass es sich lohnt, sich für Ziele einzusetzen. Egal, ob jemand aus der fünften Klasse oder aus der Oberstufe kommt, er muss gehört werden. Deswegen liegen mir die Demokratieprojekte besonders am Herzen. Dabei wurden nicht immer nur diejenigen aktiviert, die sich sowieso schon engagieren, sondern auch alle anderen hatten das Gefühl: Ich kann etwas bewegen. Deshalb freue ich mich auch, dass wir dieses Schuljahr den Schülerrat noch aktiver miteinbeziehen werden.

 

  • Wie entspannt Frau Müller nach der Arbeit?

(Lacht) Ja, ich muss zugeben, dass tut sie vielleicht zu wenig. Unter der Woche gibt es wirklich nicht viel Zeit zur Entspannung, das ist zwar nicht gesund, ist aber derzeit noch so. Das muss ich wohl noch lernen. Am Wochenende bin ich ganz oft zu Hause im Schwarzwald, wo noch mein Onkel wohnt. Das dortige Haus ist um die 120 Jahre alt und da gibt es immer etwas zu tun: streichen, die Wiesen mähen, Holz machen etc. Bei diesen handwerklichen Tätigkeiten kann man nicht an Schule denken und so power ich mich eben körperlich aus und bin dann geistig wieder frisch für die Woche.

 

  • Sie sind seit 2002 am GEG und haben tausende von Schülern kommen und gehen sehen. Gibt es nennenswerte Veränderungen/Entwicklungen in der Schülerschaft?

Die Umstellung von G9 auf G8 hat schon deutliche Spuren hinterlassen. Es macht schon einen Unterschied, ob man 120 Schüler in der Schule hat, die schon fast erwachsen sind, oder eben nicht. Das macht etwas mit dem Schulklima. Auf der anderen Seite haben wir durch die sinkenden Schülerzahlen auch mehr Platz im Haus. Wir können Räume anders nutzen, zum Beispiel die neuen Differenzierungsräume. Das sind so äußerliche Veränderungen. Innerliche Veränderungen sehe ich vor allem darin, dass Schüler vermehrt weniger Zeit haben, neben dem eigentlichen Unterricht noch an außerunterrichtlichen Aktionen, zum Beispiel AGs, teilzunehmen. Man begegnet sich fast nur noch im Unterricht und weniger darüber hinaus. Das finde ich manchmal schade.

 

  • Wenn sie für einen, zwei oder fünf Tage in eine beliebige Rolle am GEG wechseln dürften, für welche würden Sie sich entscheiden?

Für einen Tag wäre ich gerne mal Cooper (der Schulhund). Das wäre sicher interessant die Schule aus seiner Perspektive zu erleben. Aber ich glaube nach einem Tag reicht das dann auch, wenn jeder an einem herumgetätschelt hat (lacht). Drei Tag wäre ich gerne wieder einmal Schüler in der Unterstufe. Daran kann ich mich am wenigsten erinnern und ich glaube es täte jedem Lehrer gut, sich wieder in diese Rolle einzufühlen. Fünf Tage finde ich schwer. Ich glaube, da würde ich am liebsten ich bleiben, sonst verpasse ich so viele wichtige Sachen, die ich gerne tue. Aber wenn, dann wäre ich vielleicht noch einmal gerne ein „normaler“ Lehrer im zweiten oder dritten Jahr. Man weiß, was man tut, hat aber noch nicht so viele Sonderaufgaben und kann sich so richtig auf den Unterricht konzentrieren. Das wäre schon mal wieder schön.

 

  • Was ist Ihr go-to Reiseziel?

Ohh da gibt es viele. Ich reise unglaublich gerne. Asien würde ich gerne noch intensiver bereisen und in den Pfingstferien suche ich mir immer ein anderes osteuropäischen Land, das ich näher erkunde. Prinzipiell habe ich einfach den Drang Fremdes zu entdecken, auch wenn ich dadurch klimaschutztechnisch noch nicht ganz auf der richtigen Seite stehe.

 

  • Was war das Fach, das Sie als Schülerin am wenigsten mochten?

Mmmm in der Mittelstufe war das wohl Physik.

 

  • Was wollten Sie als Kind beruflich machen?
  • Bestimmer (lacht)…ich war die Älteste von vier Geschwistern, da liegt das Nahe.

 

Kurz und knapp:

 

  • Kaffee oder Tee?
  • Mmm, eher eine Apfelsaftschorle. Kaffee trinke ich nicht und Tee verbinde ich eher mit einem ruhigen Moment der Entspannung. Solche gibt es an d er Schule kaum, da brauche ich eher die Energie einer guten Apfelsaftschorle.
  • Klassik oder Rock?
  • Klassik

 

  • Buch oder Film?
  • Ganz klar Buch.
  • Bier oder Wein?

Ich bleibe bei der Apfelsaftschorle;-)

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