Zauberhafte Zauberflöte: Opernfahrt nach Stuttgart

von Michael Jaesrich

Zauberhafte Zauberflöte: Opernfahrt nach Stuttgart

Michael Jaesrich

Gegen 18:00 Uhr erreichten die musikbegeisterten GEGler den Platz vor der Stuttgarter Oper, wo das herrliche Licht der Abenddämmerung Landtag, Staatstheater und Opernhaus in faszinierender Weise illuminierte. Die Gruppe zerstreute sich noch einmal kurz, denn es war noch genug Zeit in kleinen Grüppchen die nahe Innenstadt zu erkunden und gegebenenfalls einen Happen zu essen oder etwas zu trinken. Kurz vor sieben waren dann aber alle Teilnehmer der Ausfahrt wieder pünktlich vor dem beeindruckenden Operngebäude versammelt.

Aufgeführt wurde an diesem Abend „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Werk ist wohl ohne Zweifel eine der bekanntesten Opern der Musikgeschichte und wird in diesem Schuljahr passenderweise auch vom vierstündigen Musikkurs als Sternchenthema vorbereitet. Dementsprechend gut vorbereitet war ein großer Teil unserer Gruppe und die Erwartungen nicht gerade klein. Bei der Aufführung in Stuttgart handelte es sich um die Wiederaufnahme einer schon vor vielen Jahren dargebotenen Inszenierung von Peter Konwitschny, der deutschlandweit für seine polarisierenden Interpretationen bekannt (oder auch berüchtigt) ist.

Die Schüler waren entsprechend vorgewarnt und dennoch geriet die Aufführung für einige zum kulturellen Schockerlebnis. Viele hatten doch zumindest auf ein teilweise klassisches Bühnenbild und eine wenigstens grundlegend werkgetreue Kostümierung gehofft: Sie wurden enttäuscht. Je nach Perspektive respektlos oder mutig verwirft Konwitschny klassische Darstellungsmuster und verlegt die Handlung der „Zauberflöte“ in eine nicht näher benannte „moderne“ Zeit. Das Bühnenbild verbleibt, zumindest im ersten Akt, rudimentär.

Auf der anderen Seite ermöglicht die Konzentration auf die Figuren eine sehr genaue Auseinandersetzung mit deren persönlicher Situation bzw. Entwicklung. Der im ersten Moment verstörende Auftritt der „Königin der Nacht“ als abgetakelte, gealterte Matrone, die sich, völlig betrunken, kaum noch auf den Beinen halten kann, scheint bei genauerer Betrachtung durchaus stimmig. Ihrer Macht ging sie zu großen Teilen verlustig und angewiesen ist die einstmals Mächtige nun auf die Hilfe eines jungen Prinzen: Tamino. Als im Zuge eines dramatischen Abgangs deutlich sichtbar der Staub aus dem abgetragenen Pelzmantel der Königin aufwirbelt, erschließt sich dem Zuschauer symbolisch ihre Position als verstaubte und nun machtlose Herrscherin.

Immer wieder greift Konwitschny zu solch plakativen, aber eingängigen, Narrativen. Besonders anschaulich ist der Auftritt Papagenos in einer Art Castingshow gegen Ende des zweiten Akts. Wie in einer unendlichen Dauerschleife gefangen, muss der unglückliche Vogelfänger erkennen, dass sein bisheriges Leben schlichtweg auf Oberflächlichkeit ausgerichtet war und er dementsprechend nur noch das Quotenopfer popcornfressender Fernsehjunkies ist.

So herausfordernd einige dieser Inszenierungsansätze bereits waren, so polarisierten die immer wieder sehr frivolen Andeutungen im Stück das Publikum teilweise sogar hörbar: so zum Beispiel als Papageno durch riesige, auf Leinwand projezierte Erotikfotos zur Teilnahme an den folgenden Prüfungen bei Sarastro motiviert werden sollte.

Über die dramatische Inszenierung wurde dann auch bereits in der Pause und vor allem nach der Aufführung intensiv diskutiert. Es fanden sich begeisterte Anhänger des Konwitschny-Konzeptes, vehemente Gegner und jede Menge nachdenklich Gestimmte. So soll es sein!

Alle waren sich jedoch einig, dass die musikalische Leistung, sowohl des Orchesters, als auch der Sänger sehr überzeugend war. Besonders hervorzuheben ist sicher die phänomenale Leistung Yuko Kakutas als „Königin der Nacht“. Unsere GEGler hatten sich als durchaus anspruchsvolles Publikum erwiesen. Einige Teilnehmer des vierstündigen Musikkurses saßen, wann immer die Beleuchtung es zuließ, mit ihren Partiturheften im Publikum und verglichen die gezeigte Leistung mit den Vorgaben Mozarts.

Alles in allem ein herrlicher Musikabend, selbst wenn die Urteile zur Inszenierung unterschiedlich ausfielen, das Gesamturteil fiel doch eindeutig aus: Die Ausfahrt hatte sich gelohnt und alle teilnehmer waren in den Genuss eines besonderen Opernabends gekommen! Ganz herzlich gedankt sei an dieser Stelle den Bemühungen Cora-Ann Wagner-Mühlecks und wir alle hoffen auf weitere Gelegenheiten die musikalische Szene Stuttgarts gemeinsam erkunden zu dürfen.

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